Was alles eint und keinem passt: Der Kulturbegriff zwischen Kohärenz und Differenz
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interdisziplinäres Sommersymposium
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auf der Homepage: www.sommersymposium.de
Herausforderung Kulturbegriff
Traditionelle Kulturforschung hatte es einfach: Kultur wurde allgemein als das
verstanden, was Länder, Nationen oder Ethnien eint und von anderen abgrenzt.
Obwohl die Vorstellung der Kohärenz von Nationalkulturen auch heute noch
den populären Kulturbegriff prägt, haben die Entwicklungen der letzten
Jahrzehnte das wissenschaftliche Verständnis von Kultur immer komplexer
gemacht. So öffneten Phänomene von gesellschaftlicher Fragmentierung
und Migration den Blick der Forschung für die Diagnose eklatanter Differenzen
innerhalb von (Landes-)Kulturen und sorgten für eine lebensweltliche Erweiterung
des Kulturbegriffs auf soziale Gruppen aller Art.
Im Zuge zunehmender wirtschaftlicher und politischer Globalisierung lassen sich
widersprüchliche Entwicklungen beobachten, die eine Neubestimmung des Verständnisses
von Kultur wiederum notwendig erscheinen lassen: Auf der einen Seite stehen
dem Phänomen gesellschaftlicher Ausdifferenzierung gekennzeichnet durch
Individualisierungs- und Regionalisierungsprozesse zahlreiche Beispiele globaler
Kultur-Homogenisierung entgegen ('McDonaldization‘). Auf der anderen Seite
zählt die Diagnose einer Entterritorialisierung von Kultur (z.B. in transnationalen
Lebensmilieus oder Unternehmenskulturen) bereits die Tage der alten Landeskulturen,
während sich nationale, ethnische und religiöse Kulturgemeinschaften
in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Krisen hartnäckig als Identitätsstifter
behaupten.
Die Kulturwissenschaften stehen daher vor der Herausforderung, zwischen den
Extremen traditioneller Kohärenzvorstellung und zeitgenössischer Differenzerkenntnis
einen Kulturbegriff zu entwickeln, der in der Lage ist, aktuelle Entwicklungen
in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit erklären, bzw. prognostizieren
zu können.
Ziele des Sommersymposiums
Im Rahmen dieser Diskussion hat das wissenschaftliche Feld der Interkulturellen
Kommunikation keinen leichten Stand: Obwohl das Konzept von Interkulturalität
einerseits den gemeinhin als förderlich anerkannten Dialog zwischen Kulturen
in den Blick nimmt, verweist der bloße Begriff bereits auf traditionelle
Sichtweisen von Kulturen als Einheiten, suggeriert kulturelle Geschlossenheit
und sieht sich damit dem Vorwurf ausgesetzt, Differenzen zu Stereotypen gerinnen
zu lassen. Herausforderung Kulturbegriff Interkulturelle Kommunikation als interdisziplinäres
Forschungs- und Lehrgebiet besitzt daher eine besondere Verantwortung, zur Entwicklung
eines modernen, tragfähigen Kulturbegriffs beizutragen.
Das Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Friedrich-Schiller-Universität
lädt daher zu einem interdisziplinären Sommersymposium ein, das sich
der Diskussion zukunftsfähiger Ideen zum Verständnis von Kultur widmet.
In einem fächerübergreifenden Dialog sollen dabei Erkenntnisse aus
verschiedenen Fachdisziplinen ausgetauscht, vertieft und auf ihre Anwendbarkeit
hin überprüft werden.
Das Symposium richtet sich an Wissenschaftler aller Disziplinen, die sich mit
dem Kulturbegriff auseinandersetzen, wie z.B. Kulturwissenschaften, Kommunikationswissenschaften,
Soziologie, Politologie, Sprachwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie,
Religionswissenschaften.
Inhalte des Sommer-Symposiums
Welches Verständnis von Kultur ist dazu geeignet, zwischen den Extremen
traditioneller Kohärenzvorstellung und zeitgenössischer Differenzerkenntnis
zu vermitteln und aktuelle kulturelle Entwicklungen in ihrer Komplexität
und Widersprüchlichkeit erklären, bzw. zu prognostizieren? –
Diese Frage soll das Sommersymposium inhaltlich leiten. Vertiefungen des Themas
sind vorläufig in zwei Bereichen vorgesehen:
1. Kultur-Diagnosen
Unter diesem Stichwort sollen Beiträge vorgestellt werden, die sich mit
der Beobachtung und Beschreibung kultureller Prozesse und Entwicklungstendenzen
beschäftigen und Belege für widersprüchliche aktuelle Kultur-Phänomene
liefern wie z.B.: Kulturelle Homogenisierung, kulturelle Ausdifferenzierung/
Regionalisierung/ Entterritorialisierung, Beständigkeit von Landeskulturen
2. Kultur-Modelle
Diesem Bereich werden Beiträge zugeordnet, die sich mit der (Weiter-)Entwicklung
theoretischer Modelle zum Kulturverständnis beschäftigen. Aus den
aufgezeigten widersprüchlichen Entwicklungen ergeben sich z.B. folgende
mögliche Aspekte und Fragestellungen: Kohäsion (Was hält Kulturen
zusammen?), Kollektivität (Was zeichnet Kulturen als Gruppenphänomene
aus?), Kulturwandel (Wie verändern sich Kulturen?)
Zeit
Mittwoch, 6. September 2006 | 14:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag, 7. September 2006 | 09:00 – 17:00 Uhr
Ab 20:00 Uhr: Einladung zum gemeinsamen Empfang mit den Teilnehmern der interkulturellen
Sommerakademie
Ort
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Historische Rosensäle
Fürstengraben 27
Kosten
Für die Teilnahme am Sommersymposium fällt ein Unkostenbeitrag von
45 Euro an. Für Teilnehmer an der Interkulturellen Sommerakademie ist die
Teilnahme am Sommersymposium im Tagungspreis enthalten. Für Referenten
ist die Teilnahme am Symposium kostenlos, Reise- und Unterbringungskosten werden
übernommen, bzw. bezuschusst.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Stefanie Rathje
Juniorprofessorin, Fachgebiet Interkulturelle
Wirtschaftskommunikation
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
stefanie.rathje@uni-jena.de
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